Ökumene

Nachfolgend sollen knapp einige Erläuterungen und Anmerkungen zur Bedeutung des Wortes und zur jüngeren Geschichte der Ökumene gegeben werden. Die Informationen stammen vor allem aus folgenden Quellen:

* André Birmelé, Art. Ökumene in: Evangelisches Kirchenlexikon (EKL);
* Reinhard Frieling, Der Weg des ökumenischen Gedankens.





Das griechische Wort Oikos bezeichnet zuerst das Wohnhaus und von daher abgeleitet überhaupt die Behausung, den Hausstand (Familie, Vermögen) und den Wohnsitz (Heimat).
Der Begriff Ökumene ist ein substantiviertes Partizip passiv des Verbs „oikein" (wohnen). Seit Herodot (490 bis 425 v. Chr.) ist damit dann die bewohnte Erde, der Erdkreis gemeint. Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes meint mit Ökumene „Welt” (besonders in den Psalmen), während im Neuen Testament das Arbeitsfeld der Kirche insgesamt gemeint ist (vgl. Lukas 2,1; Matthäus 24, 14).
In der Alten Kirche und in der Reformationszeit ist das Ökumenische das allgemein Gültige.

Kirche ist insofern ökumenisch, weil sie das Evangelium zur Welt bringt und darin weltweit wird. Neuere Bewegungen nahmen die Verbindung von missionarischen und weltweiten Aspekten auf (Brüder-Unität, N.L.Graf von Zinzendorf 1700 - 1760 /Evangelische Allianz London 1846/CVJM/Weltmissionskonferenz in Edinburgh 1910). Ökumenische Gesinnung überschreitet herkömmliche Grenzen (Klasse, Nation, Konfession)
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) will nach dem zweiten Weltkrieg so auch vorrangig keine neue Organisation, sondern die Erneuerung/Wiedergeburt der gegenwärtigen Kirchen.
Unter "Ökumenisch" versteht der ÖRK 1951 alles, was mit der Gesamtaufgabe der ganzen Kirche (Evangelium der ganzen Welt bringen) zu tun hat.
Somit sind darunter gleichermaßen Bemühungen um die Einheit der Christen und das Zeugnis gegenüber der Welt zu verstehen.

Drei Hauptfragen werden meiner Ansicht nach künftig wichtig sein:

1. Was ist Einheit€ Konziliare Communio fordert folgende gemeinsame Aspekte:
Bekenntnis, Taufe, Eucharestie, Mission, Amt (Struktur, Papstamt€).
Dabei ist zu berücksichtigen, dass Ökumene sich immer auf verschiedenen Ebenen bewegt (Amtskirche; Gemeinden; Basisbewegungen; Akademische Bemühungen).
2. Was ist Wahrheit€ Wenn Kirche und Welt nicht identisch sind, dann stellt sich die Frage nach Unterscheidungskriterien und danach, was Kirche zu Kirche macht.
3. Wie wird Zukunft gestaltet€ Angesichts einer durch Pluralismus geprägten globalen Gesellschaft darf sich ökumenisches Bemühen nicht nur auf christliche Kirchen beschränken. Die Erde bewohnbar zu machen und zu erhalten ist Gemeinschaftsaufgabe aller an Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung interessierten Menschen.

Johann Christian Grote